Tagung der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung des mittelalterlichen Schauspiels im Kloster Wienhausen

Vom 7. bis zum 9. März 2018 fand im im Kloster Wienhausen die Tagung der Société International pour l’étude du Théâtre Médiéval (SITM) unter dem diesjährigen Thema ’Theatrale Gegenstände‘ statt. Damit bot sich der Tagungsort fast als Kulisse für viele der Vorträge an: von den insgesamt 15 gingen 12 Wissenschaftler auf geistliche Themen und Gegenstände ein (Programmheft). Insbesondere der Beitrag von Regina Töpfer (Braunschweig), der sich dem Zubehör von Weihnachtsspielen widmete, konnte unter anderem ein Wienhäuser „Figurenornat für das Christkind“ berücksichtigen.  Sie stellte für dieses Kleinod fest, dass es vielleicht auch einem Individualgebrauch gedient haben könnte.

Das öffentliche Abendprogramm am Donnerstag, dem 8. März, das dankenswerterweise auch von der Klosterkammer Hannover unterstützt wurde, war gänzlich mit dem Kloster Wienhausen verwoben. Im musikalischen Beitrag trug Ulrike Volkhardt (Essen) zusammen mit einem Teil des Wienhäuser Kirchenchors unter der Leitung von Christian Höhlein unter anderem aus dem im Kloster überlieferten mittelalterlichen Osterspiel vor.
Der öffentliche Vortrag von Carla Dauven-van Knippenberg (Amsterdam) und Elisabeth Meyer (Amsterdam) widmete sich dem Miniatur-Codex Hs. 51 aus dem Wienhäuser Klosterarchiv. Er enthält mehrere Gebete an den Evangelisten Johannes, ist reich bebildert, trägt ein schmuckes, geflochtenes Lederbändchen und ist in einen roten Ledereinband mit Metallschließe gebunden. Die beiden Wissenschaftlerinnen stellten für den Inhalt fest, dass die eindringliche und mehrfach wiederholte Anrufung des Hl. Johannes wie ein wahrhaftiges Zwiegespräch zwischen dem Heiligen und der Benutzerin wirkt. Der Dialog sollte diese zum Führen eines gottgefälligen Lebens anhalten. Vom Gegenständlichen her spielt dabei das kleine Büchlein die Rolle eines kostbaren Requisits. Text und Buchschmuck bringen die im Kloster allbekannten Gebete und bildliche Symbolik im Zusammenhang mit dem Heiligen in Erinnerung, durch sein Format kann es allzeit mit sich getragen werden, die prächtige Ausführung bedeutet eine kostbare - möglicherweise repräsentative - Intensivierung des Aufrufs zu einem Nachleben in den Spuren des Lieblingsjüngers Christi.

Als Überraschung konnte Ulrike Volkhardt mit dem Kirchenchor jene Abschnitte aus der Handschrift 51 des Wienhäuser Klosterarchivs, die mit Noten versehen sind, erstmalig seit dem Mittelalter ertönen lassen.

Die Tagung sowie das Abendprogramm fanden im Sommerrefektorium des Wienhäuser Klosters statt, die Tagungsteilnehmenden wurden aufs gastfreundlichste empfangen, durchs Kloster geführt und umsorgt.
Im Namen aller Teilnehmenden dankt Cora Dietl, Präsidentin der SITM, der Äbtissin und allen, die zum leiblichen und geistigen Wohl beigetragen haben.