Das neue "Kleine Museum" im Kloster Wienhausen. Foto: Corinna Lohse (Klosterkammer Hannover)

Juni 2018
Klostermuseum wiedereröffnet

Mit einem Festakt eröffnete Äbtissin Renate v. Randow am 21. Juni 2018 das neue "Kleine Museum“ des Klosters Wienhausen mit Schätzen aus bald 800 Jahren Klostergeschichte. Nach über dreijähriger Planungs- und gut halbjähriger Bauzeit konnten sich Äbtissin und Konvent zusammen mit dem Präsidenten der Klosterkammer und zahlreichen Gästen erstmals am neuen Ausstellungsraum erfreuen. Zu Recht lobte die Äbtissin in ihrer Begrüßungsrede die große Leistung der am Gelingen des Projekts beteiligten Fachleute, allen voran den bewährten Mitarbeitern der Abteilung für Bau- und Kunstpflege der Klosterkammer.

Der Festakt wurde musikalisch eingerahmt durch das ensemble devotia moderna unter der Leitung von Prof.in Ulrike Volkhardt. Dr. des. Jörg Richter, Kunsthistoriker der Klosterkammer, führte mit seinem Festvortrag in die Ausstellung ein.

Das Kloster Wienhausen ist nicht nur wegen seiner großartigen Architektur, seines im 14. Jahrhundert vollständig ausgemalten Nonnenchores und seiner großformatigen Bildteppiche weltbekannt, sondern auch wegen der vielen kleinen Alltagsgegenstände, die in den letzten Jahrzehnten unter und hinter dem mittelalterlichen Chorgestühl des Nonnenchores gefunden worden sind. Der Fund beinhaltet neben zahlreichen kleinen, oft nur wenige Seiten umfassenden Gebet- und Gesangsbüchlein, Andachtsbildchen, Pilgerzeichen, Spindeln, Namenstäfelchen oder kleinen Wachstafeln die ältesten vollständig und funktionsfähig erhaltenen Brillen der Welt. Neuere Forschungen weisen nach, dass ihre Linsen in Venedig gefertigt wurden. Eine eigens für diese Funde entwickelte große "Setzkastenvitrine" präsentiert die wertvollen Artefakte eindrucksvoll in nahezu schwebender Montage.

Neben diesem Herzstück in der Mitte des Museums, das jeder Wienhausen-Besucher gesehen haben sollte, verteilen sich im dem nur 70 m2 großen Ausstellungsraum moderne Tischvitrinen mit weiteren aussagekräftigen Ausstellungsstücken. Sie reichen von der bischöflichen Gründungsgenehmigung aus dem Jahr 1233, dem Versorgungsversprechen des Reformationsfürsten Ernst von Braunschweig und Lüneburg vom 16. November 1530 bis zum Video-Interview mit der 47. Äbtissin des Klosters, Renate v. Randow, aus dem Jahr 2017 und dem Foto eines mit Holz aus dem Klosterwald beladenen "Gummiwagens". In mehreren Videoinstallationen wird den Besuchern so auch das "Heute" dieses evangelischen Frauenklosters näher gebracht.


Margaret Hunter, Sopran / Hildegard Wippermann, Altpommer und Flöte / Tural Ismayilov, Posaune / Annette Hils, Bassdulzian / Ulrich Wedemeier, Laute / Martina Fiedler, Orgel / Mike Turnbull, Percussion / Katharina Bäuml, Schalmei und Leitung

Juni 2018
Konzert im Nonnenchor zum Elisabeth-Teppich

Das Konzert im Nonnenchor stellt seit Jahrzenten einen herausragenden Höhepunkt des Besucherprogramms im Kloster Wienhausen dar. Nur einmal im Jahr wird dieser besondere Ort zum Klingen gebracht. Unter dem Titel VON WERKEN UND WUNDERN traten in diesem Jahr zum Abschluss der Teppichwoche Stickkunst und Musik der Renaissance in einen besonderen Dialog. Zu Gast war das Spezialisten-Ensemble für Alte Musik CAPELLA DE LA TORRE, das den berühmten Elisabeth-Teppich und die bewegende Lebensgeschichte der Heiligen Elisabeth von Thüringen in den Mittelpunkt des diesjährigen Konzerts im Nonnenchor stellte. Es erklangen Werke von Thoinot Arbeau, Josquin Desprez, Claude Gervaise, Hans Leo Hassler, Niccolo Piffaro u. a. Als Vorbereitung auf den besonderen musikalischen Abend stellte die Stickwerkstatt des Klosters Wienhausen vor dem Konzert Motive aus dem Elisabeth-Teppich im Sommerrefektorium vor.
Folgen Sie dem Link und lassen Sie sich zu diesem Abend zurückversetzen.                                        

www.capella-de-la-torre.de
Margaret Hunter, Sopran / Hildegard Wippermann, Altpommer und Flöte / Tural Ismayilov, Posaune / Annette Hils, Bassdulzian / Ulrich Wedemeier, Laute / Martina Fiedler, Orgel / Mike Turnbull, Percussion / Katharina Bäuml, Schalmei und Leitung

Moderation: Silke Lindenschmidt und Ulf Pankoke, VISION KIRCHENMUSIK

 


Volker Kallerhoff begutachtet den Probedruck des Urkundentextes
Kolja Hofmann bearbeitet den 3D-Scan eines Siegels

Juni 2018
Die wertvollsten Urkunden des Klosterarchivs Wienhausen…

… werden in einem aufwändigen Verfahren faksimiliert. Es handelt sich um die Bewilligung der Klostergründung durch den Hildesheimer Bischof Konrad II. aus dem Jahr 1233 und die Verpflichtung des Celler Herzogs Ernst zur Versorgung des Klosters aus dem Jahr 1530. Die empfindlichen Originale können nicht dauerhaft im Klostermuseum ausgestellt werden. Im Rahmen der Neueinrichtung des Museums wurde daher von den Fachleuten der Klosterkammer beschlossen, sie dort durch Faksimiles zu ersetzen.

Die Urkunden sind für das Kloster bis heute von großem Wert. Da der genaue Gründungszeitpunkt unsicher ist, stellt die 1233 erteilte Genehmigung der wenige Jahre zuvor erfolgten Klostergründung durch den zuständigen Diözesanbischof quasi die Gründungsurkunde dar. Alle Beteiligten werden darin genannt. Neben dem Bischof die Herzogin Agnes, ihr Ehemann Heinrich, Pfalzgraf bei Rhein, und insbesondere der Konvent mit der expliziten Nennung des Zisterzienserordens. Dann folgt die für die wirtschaftliche Grundlage des Klosters lebensnotwendige bischöfliche Schenkung der Kirche zu Wienhausen mit allen Besitzungen dieser schon seit dem 11. Jahrhundert belegten Kirche.

Die zweite Urkunde ist wesentlich jünger, aber mindestens ebenso wichtig. Die von Herzog Ernst im Fürstentum Lüneburg 1527 eingeführte lutherische Reformation betraf auch die Klöster. Obwohl diese sich lange dagegen wehrten, konnten sie nicht verhindern, dass große Teile ihres Vermögens eingezogen wurden. Dem Kloster Wienhausen sagte der Herzog mit der vorliegenden Urkunde dafür eine immerwährende Versorgung zu. Diese Verpflichtung gilt im Prinzip bis heute und wird seit vielen Jahrzehnten von der Klosterkammer Hannover in großartiger Art und Weise wahrgenommen.

Den Auftrag zur Erstellung der Faksimiles erhielt die LUP-AG aus Köln, die für erstklassige Qualität steht. Die Urkunden mussten für die Vorbereitung der Arbeiten das Kloster nicht verlassen. Volker Kallerhoff und Kolja Hofmann von der LUP-AG fotografierten und scannten, z.T. in 3D-Technik, vor Ort alle noch so kleinen Details der wertvollen Originale. Bereits im Kloster wurden Proben der Texte erstellt, um eine exakte Farbgleichheit zu erreichen. Auch die Spuren der früher gefaltet aufbewahrten Urkunden werden genau nachgebildet. Die Siegel wurden dreidimensional gescannt, um später mit einem 3D-Drucker ausgedruckt und anschließend handkoloriert zu werden. Die farbigen Seidenschnüre, mit denen die Siegel am Pergament befestigt sind, werden schließlich einzeln von Hand nachgebildet.

Wir freuen uns über diese wunderbare Arbeit, die es ermöglicht, diese beiden wichtigen Urkunden des Klosters dauerhaft den Besuchern des Klosters zeigen zu können und gleichzeitig den jahrhundertealten Originalen den ihnen gebührenden Schutz zu gewähren.


 

Figurenornat und Miniaturhandschrift aus dem 15. Jahrhundert

März 2018
Tagung der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung des mittelalterlichen Schauspiels im Kloster Wienhausen

Vom 7. bis zum 9. März 2018 fand im im Kloster Wienhausen die Tagung der Société International pour l’étude du Théâtre Médiéval (SITM) unter dem diesjährigen Thema ’Theatrale Gegenstände‘ statt. Damit bot sich der Tagungsort fast als Kulisse für viele der Vorträge an: von den insgesamt 15 gingen 12 Wissenschaftler auf geistliche Themen und Gegenstände ein (Programmheft). Insbesondere der Beitrag von Regina Töpfer (Braunschweig), der sich dem Zubehör von Weihnachtsspielen widmete, konnte unter anderem ein Wienhäuser „Figurenornat für das Christkind“ berücksichtigen.  Sie stellte für dieses Kleinod fest, dass es vielleicht auch einem Individualgebrauch gedient haben könnte.

Das öffentliche Abendprogramm am Donnerstag, dem 8. März, das dankenswerterweise auch von der Klosterkammer Hannover unterstützt wurde, war gänzlich mit dem Kloster Wienhausen verwoben. Im musikalischen Beitrag trug Ulrike Volkhardt (Essen) zusammen mit einem Teil des Wienhäuser Kirchenchors unter der Leitung von Christian Höhlein unter anderem aus dem im Kloster überlieferten mittelalterlichen Osterspiel vor.
Der öffentliche Vortrag von Carla Dauven-van Knippenberg (Amsterdam) und Elisabeth Meyer (Amsterdam) widmete sich dem Miniatur-Codex Hs. 51 aus dem Wienhäuser Klosterarchiv. Er enthält mehrere Gebete an den Evangelisten Johannes, ist reich bebildert, trägt ein schmuckes, geflochtenes Lederbändchen und ist in einen roten Ledereinband mit Metallschließe gebunden. Die beiden Wissenschaftlerinnen stellten für den Inhalt fest, dass die eindringliche und mehrfach wiederholte Anrufung des Hl. Johannes wie ein wahrhaftiges Zwiegespräch zwischen dem Heiligen und der Benutzerin wirkt. Der Dialog sollte diese zum Führen eines gottgefälligen Lebens anhalten. Vom Gegenständlichen her spielt dabei das kleine Büchlein die Rolle eines kostbaren Requisits. Text und Buchschmuck bringen die im Kloster allbekannten Gebete und bildliche Symbolik im Zusammenhang mit dem Heiligen in Erinnerung, durch sein Format kann es allzeit mit sich getragen werden, die prächtige Ausführung bedeutet eine kostbare - möglicherweise repräsentative - Intensivierung des Aufrufs zu einem Nachleben in den Spuren des Lieblingsjüngers Christi.

Als Überraschung konnte Ulrike Volkhardt mit dem Kirchenchor jene Abschnitte aus der Handschrift 51 des Wienhäuser Klosterarchivs, die mit Noten versehen sind, erstmalig seit dem Mittelalter ertönen lassen.

Die Tagung sowie das Abendprogramm fanden im Sommerrefektorium des Wienhäuser Klosters statt, die Tagungsteilnehmenden wurden aufs gastfreundlichste empfangen, durchs Kloster geführt und umsorgt.
Im Namen aller Teilnehmenden dankt Cora Dietl, Präsidentin der SITM, der Äbtissin und allen, die zum leiblichen und geistigen Wohl beigetragen haben.