Schreiben des Oberpräsidenten in Lüneburg an das Kloster Wienhausen. Abschrift der Äbtissin Bertha Mühry (1934-1950).

Kloster Wienhausen und die Klosterkammer Hannover (1)

Der Präsident der Klosterkammer wird Landeskommissar für die Lüneburger Klöster, Klosterarchiv Wienhausen, M 131.

Die Verbindung des Klosters Wienhausen mit der Klosterkammer Hannover ist noch sehr jung. 1711 wurde das Amt des landesherrlichen Klosterkommissars eingeführt. Die allein von den Äbtissinnen zu vergebenden Anwartschaften auf Klosterstellen sollten von nun an ebenso wie die Rechnungsführung einer stärkeren staatlichen Kontrolle unterliegen. Die Jahresrechnungen mussten jetzt dem Landeskommissar zur Prüfung vorgelegt werden. Nach der Hyperinflation in den 1920er Jahren waren die zur Versorgung der Konvente noch vorhandenen Vermögenswerte wertlos geworden. Die Rechtsverhältnisse der Klöster einschließlich einer möglichen Auflösung wurden diskutiert.  Um die aus der Reformationszeit herrührenden staatlichen Leistungen effizienter zu gestalten, war die Übernahme des landesherrlichen Klosterkommissariats durch den Präsidenten der Klosterkammer als Leiter einer in diesen Fragen erfahrenen Fachbehörde eine für alle elegante Lösung. Erst am  5. Mai 1937 wurde dies durch Erlass des preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung umgesetzt; am 14. Mai 1937 teilte es der bisherige Landeskommissar, Regierungspräsident Matthaei in Lüneburg, dem Kloster Wienhausen mit.


 

Siegel des Bischofs an der Urkunde von 1229

Wann wurde das Kloster Wienhausen gegründet?

Klosterarchiv Wienhausen, Urkunde 3 von 1229

Die Frage nach dem genauen Gründungsdatum des Klosters Wienhausen läßt sich leider nicht exakt beantworten.  

Die um 1692 geschriebene Chronik nennt das Jahr 1221 und als Gründungsort das nahe Nienhagen. Zehn Jahre später sei dann das Kloster "wegen des sümpfichten Orts" und der "Wassermükken" an den jetzigen Ort Wienhausen verlegt worden. Doch dafür gibt es keine urkundliche Bestätigung. Statt dessen findet sich in einer 1229 von Bischof Konrad II. von Hildesheim ausgestellten Urkunde ein eindeutiger Nachweis für einen Konvent in Wienhausen. Der Bischof schenkt der Kirche von Wienhausen den Zehnt aus dem Dorf Klein Lopke und erwähnt als "Verwendungszweck" den Unterhalt der Frauen, die sich täglich zu jeder Stunde dem Lob Gottes widmen.
Diese Bemerkung ist der älteste Nachweis eines Konvents in Wienhausen, vier Jahre vor der offiziellen Gründungsbestätigung durch Bischof Konrad im Jahr 1233.


 

Die Güter des Klosters

Klosterarchiv Wienhausen, Urkunde U 9 von 1235

Herzog Otto schenkt dem Kloster Wienhausen Einkünfte aus der Saline Lüneburg, die Mühle in Lachtehausen und Häuser in Gockenholz. Die Klostergründerin Agnes, Witwe seines Onkels, hat ihm die Burg Celle (heute Altencelle) dafür überlassen. Außerdem bestätigt er Agnes´ Schenkung an das Kloster, bestehend aus der Hälfte des Patronats über die Kirche zu Gr. Hehlen nebst den dazu gehöhrende Gütern in Baven, Garßen und Gütern in Gr. und Kl. Hehlen, Boye, Belsen, Garßen, Wolthausen und Stedden, Hambüren und weiteren Gütern in Höfer und Scharnhorst.

Das Siegel zeigt den nach rechts schreitenden Braunschweigischen Löwen. Die Umschrift lautet: SIGILLUM OTTONIS DVC(IS) (D)E B(RU)NESWIC

Die Urkunde liegt in der originalen Faltung vor; genau so, wie sie im Mittelalter in einer verschlossenen Brieflade aufbewahrt wurde. Der zeitgenössische Rückvermerk nennt den Betreff: “Sartago et alia bona in luneborch - Otto dux dedit ac Agnes...”.